Folge 11: Forschen hautnah (2): Xiaoyis Start als Doktorandin
Shownotes
In dieser zweiten Folge von Forschen hautnah blicken wir wieder hinter die Kulissen der Forschung und lernen Xiaoyi Zheng kennen. Sie ist eine von sieben jungen Wissenschaftlerinnen, die gerade ihre Doktorarbeit im Forschungsverbund Leibniz INFECTIONS begonnen haben.
Wir wollen Xiaoyi über einen längeren Zeitraum begleiten. Und dabei mehr über ihre Forschung erfahren, aber auch über sie. Thema von Xiaoyis Arbeit sind umweltbedingte antimikrobielle Resistenzen. Bei Antibiotikaresistenzen denken wir oft an Krankenhäuser. Doch auch Flüsse, Seen und Abwasser sind wichtige Reservoirs für resistente Bakterien. Genau hier setzt die Promotion von Xiaoyi Zheng an, für die sie an zwei Berliner Instituten forscht: dem Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) und dem Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB). Ihre Betreuer sind Prof. Dr. Alex Greenwood und Prof. Dr. Hans-Peter Grossart. In Folge 6 haben sie erklärt, warum Resistenzen in Wasser ein Problem sind und was die Forschung dazu weißt.
„Resistenzen gab es in der Natur schon immer“, sagt Xiaoyi. Bakterien produzieren seit Millionen Jahren antibiotisch wirksame Stoffe – und andere Bakterien entwickeln Abwehrmechanismen dagegen. Neu ist jedoch der massive Selektionsdruck durch den Menschen: Antibiotika in Medizin, Tierhaltung und Umwelt beschleunigen die Verbreitung resistenter Bakterien. Besonders Gewässer spielen dabei eine Schlüsselrolle. Über Abwässer gelangen resistente Bakterien und Resistenzgene in Flüsse und Seen.
**Forschungsalltag zwischen Datenanalyse und interdisziplinärer Zusammenarbeit **
Xiaoyi ist Bioinformatikerin, sie arbeitet an der Schnittstelle zwischen Informatik und Mikrobiologie. In ihrer Arbeit analysiert sie sogenannte Metagenome. Das sind Gesamtheiten aller genetischen Informationen einer mikrobiellen Gemeinschaft in einer Probe – etwa aus einem See oder aus Abwasser. Mit bioinformatischen Methoden sucht sie nach Mustern:> „Meine zentrale Frage ist: Wie verbreiten sich die Resistenzen in Wassersystemen? Und wie beeinflusst menschliche Aktivität diese Ausbreitung?“ Ein zweiter Schwerpunkt sind Bakteriophagen, kurz Phagen. Das sind Viren, die gezielt Bakterien infizieren und zerstören. Und auch sie kommen im Wasser vor.
Ihre Arbeit ist an zwei Forschungsinstituten angesiedelt und wird von zwei Experten betreut wird. Die interdisziplinäre Perspektive ist eine Besonderheit von Leibniz INFECTIONS. Und es ist genau das, was Xiaoyi sehr gut gefällt. > „Meine zwei Betreuer kommen aus unterschiedlichen Bereichen und beide sind stark in ihrem eigenen Feld. Ich finde diese Art von Austausch nicht nur für mich selber hilfreich, sondern auch insgesamt gut für die Wissenschaftswelt.“
Xiaoyi berichtet über die ersten Monate ihrer Promotion, die oft aus administrativer Vorbereitung und dem Sortieren riesiger Datensätze bestehen. Etwas anstrengend findet sie das Pendeln zwischen den verschiedenen Standorten: > „Vor Ort sein ist immer cooler, aber unterwegs sein ist ein bisschen viel manchmal.“ Noch steht sie ganz am Anfang ihrer Promotion und ist voller Tatendrang. Ihr ist bewusst, dass es auch schwierige Phasen geben kann, aber das schreckt sie nicht. > „Für mich ist das ein bisschen wie Laufen oder Joggen. Ich sehe nicht nur Start und Ziel. Für mich zählt auch jeder Meter.“
Begriffserklärungen
Antimikrobielle Resistenzen (AMR): Die Unempfindlichkeit von Krankheitserregern (Bakterien, Pilzen, Viren, Parasiten) gegenüber Medikamenten. Das bedeutet: Ein Medikament, das früher gewirkt hat, kann den Erreger nicht mehr abtöten oder stoppen.
Interdisziplinarität: Die Zusammenarbeit und der Austausch zwischen Forschenden aus ganz verschiedenen Wissenschaftsbereichen – zum Beispiel Biologie, Wirtschaftswissenschaften und Klimaforschung.
Resistenzgene: Ein Resistenzgen kodiert für ein Protein, das Stoffwechsel oder Struktur von Zellen so verändert, dass sie unempfindlich zum Beispiel gegenüber Antibiotika werden. Resistenzgene sind bei Bakterien die Grundlage der Antibiotikaresistenz. Sie sind oft auf sogenannten Plasmiden (ringförmige DNA-Moleküle in Bakterien) lokalisiert und können zwischen Bakterien weitergegeben werden.
Phagen Bakteriophagen (kurz Phagen) sind Viren, die Bakterien infizieren und zerstören können. Sie können grundsätzlich auch resistente Bakterien attackieren.
Weitere Informationen:
Mikroben im Visier Folge 6: Verbreitung von Resistenzen über Wasser
Leibniz INFECTIONS https://leibnizinfections.de/de/
Transkript anzeigen
Elisabeth Pfrommer: Willkommen zu einer neuen Folge von Mikroben im Visier, dem Podcast des Forschungsverbundes Leibniz INFECTIONS. Hier arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus verschiedenen Bereichen und verschiedenen Instituten zusammen. Und Ziel dieser gemeinsamen Forschung ist es, antimikrobielle Resistenzen besser zu verstehen und deren Ausbreitung einzudämmen. In der heutigen zweiten Folge von Forschen hautnah blicken wir wieder hinter die Kulissen der Forschung und lernen Xiaoyi Zheng kennen. Sie ist eine von sieben jungen Wissenschaftlerinnen, die gerade ihre Doktorarbeit im Verbund begonnen hat.
Christian Nehls: Wir wollen Xiaoyi über einen längeren Zeitraum begleiten und dabei mehr über ihre Forschung erfahren, aber auch über sie. Motivation, Zweifel, Fortschritte, Rückschläge und den ganz normalen Alltag einer Promotion. Das Forschungsprojekt von Xiaoyi ist an zwei Leibniz Instituten angesiedelt. Dem Leibniz Institut für Zoo- und Wildtierforschung, dem IZW, und dem Leibniz Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei, dem IGB. Und Thema sind umweltbedingte antimikrobielle Resistenzen.
Elisabeth Pfrommer: Hallo Xiaoyi, schön, dass du da bist. Vielleicht kannst du dich ja kurz vorstellen, also wer bist du und wo und welchem Fach hast du promoviert und seit wann bist du offiziell Doktorandin?
Xiaoyi Zheng: Hi, also sehr gerne. Ich heiße Xiaoyi und promoviere in Berlin im Bereich Bioinformatik mit einem Schwerpunkt auf Mikrobiologie. Offiziell bin ich seit letzten November Doktorandin.
Christian Nehls: Und kannst du uns noch kurz erzählen, was du vorher gemacht hast? Also was hast du studiert und vielleicht wie bist du dazu gekommen, das zu tun?
Xiaoyi Zheng: Ich habe ganz konventionell Biologie Bachelor gemacht mit Schwerpunkt Molekulare Biowissenschaften. Mein Master war Medical Life Science. Dabei habe ich mich als Bioinformatikerin ausgebildet. Nebenbei hatte ich viele Kurse für Informatik und Mathematik usw. Und danach war mein erster Job als Research-Assistentin am Helmholtz-Institut auch hauptsächlich für Computational Biology gearbeitet im Bereich Infektionsbiologie.
Elisabeth Pfrommer: Das heißt, Mikrobiologie war eigentlich schon immer ein Interessenfeld von dir?
Xiaoyi Zheng: Also so ziemlich, weil ich als Hiwi während meines Bachelors viel gearbeitet hatte. Hauptsächlich die Interaktion zwischen Bakterien und Pflanzen.
Elisabeth Pfrommer: Dann war für dich auch von Anfang an klar, dass du promovieren willst.
Xiaoyi Zheng: Eigentlich ja, ich sagen. Ich wollte immer schon in die Forschung gehen und mit der Zeit ist mir immer klarer, dass eine Promotion oft ein wichtiger Schritt ist.
Christian Nehls: Und wenn du jetzt sagst, dir war immer klar, dass du in die Forschung gehen möchtest, was findest du denn an der Forschung jetzt so besonders interessant oder was reizt dich da besonders?
Xiaoyi Zheng: Mich reizt, dass Wissen nicht nur weitererzählt wird, sondern dass man auch selbst überprüfen kann, was wirklich stimmt. Auch wenn es manchmal nur ein sehr spezifisches, sehr kleines Thema ist.
Elisabeth Pfrommer: Du meinst ja schon gerade, dass Mikrobiologie dich eigentlich schon länger begleitet, aber wie bist du denn genau zu deinem Dissertationsprojekt gekommen? Hast du dir die Ausschreibung gesehen und dich einfach darauf beworben? Und das hat dein Interesse geweckt? Oder hast du was Spezielles gesucht? Wie kam es dazu?
Xiaoyi Zheng: Die Ausschreibung hat mich sofort angezogen. Die Stellenausschreibung hat den Rahmen und die Richtung vorgegeben. Das konkrete Projekt habe ich dann gemeinsam mit meinen beiden Betreuenden zusammen weiterentwickelt. Aber ich glaube, im Laufe der Zeit wird man es auch immer weiter anpassen, wie das genau weiterläuft.
Christian Nehls: Und bist du aus einem bestimmten Grund nach Berlin gekommen? Ist es auch so, dass die Stadt dich reizt oder war das sozusagen die Entscheidung, rein wissenschaftlich an dieses Institut zu gehen?
Xiaoyi Zheng: Ich würde schon behaupten, dass ich eher wegen meiner Stelle nach Berlin umgezogen bin. Aber mittlerweile bin ich auch ziemlich überzeugt von Berlin. Also als International kann man in Berlin richtig gut überleben.
Elisabeth Pfrommer: Bei dir sind ja auch beide Institute tatsächlich im Berlin bzw. im Berliner Raum. Wie funktioniert es aber trotzdem mit dem Arbeiten an zwei Instituten?
Xiaoyi Zheng: Also ich sitze im Alltag meistens physisch in einem Institut, im Büro. Bei dem zweiten Institut bin ich eigentlich sehr gelegentlich vor Ort, aber meistens dann online dabei. Ich versuche einfach jede Gelegenheit zu nutzen, mich mit dem zweiten Team auszutauschen, also bewusst Austausch zu suchen, Fragen zu stellen und regelmäßig abzustimmen.
Christian Nehls: Und nochmal zu deiner Entscheidung für jetzt genau dieses Projekt. In Leibniz INFECTIONS ist ja so die Besonderheit, dass die Promovierenden da von zwei Personen hauptbetreut werden, die an verschiedenen Instituten sitzen. Das ist ja schon eine außergewöhnliche Situation, die auch eine Herausforderung sein kann bestimmt. War dir das bewusst? Hast du das besonders interessant gefunden oder war das eher nebensächlich bei der Entscheidung?
Xiaoyi Zheng: Doch, also ich fand allein damals beim Ausschreibung lesen das schon ziemlich cool, weil das, also genau, weil das Projekt so interdisziplinär ist. Meine zwei Betreuer kommen aus unterschiedlichen Bereichen und sehr, also beide sind stark in ihrem eigenen Feld. Das heißt, ich habe auch noch dazu Kolleginnen und Kollegen mit sehr verschiedenen Stärken, also auch wegen INFECTIONS Allianz, wo viele diverse Experten zusammenkommen. Ich finde diese Art von Austausch nicht nur für mich selber hilfreich, sondern auch insgesamt gut für die Wissenschaftswelt.
Elisabeth Pfrommer: Jetzt haben wir ja schon lange über deine Promotion per se geredet oder die Organisation dahinter, wissen noch gar nicht ganz genau, worum es eigentlich geht in deinem Projekt. Vielleicht kannst du das ja noch mal ganz kurz für jemanden erklären, der nichts mit deinem Fach zu tun hat. Xiaoyi Zheng (07: 40) Ja, sehr gerne. Ganz einfach gesagt, Antibiotika-Resistenzen werden weltweit zu einem immer größeren Problem. Ich möchte besser verstehen, wie sich die Resistenzen entwickeln und ausbreiten, vor allem in Wassersystemen. Ich schaue auch auf mögliche Alternativen zu klassischen Antibiotika, idealerweise mit natürlichen Gegenspielern aus der Natur.
Elisabeth Pfrommer: Und deine Betreuer sind ja Alex Greenwood und Hans-Peter Grosshardt. Die waren ja sogar schon bei uns im Podcast, nämlich in der Folge 6. Also wenn es euch interessiert hat, gerne noch mal rein. Da haben wir uns über Antibiotikaresistenzen im Wasser beschäftigt und das Wasser als Reservoir für Resistenzen beschrieben. Beide kennen sich mit dieser Thematik sehr gut aus. Hans-Peter eher auf der Bakterienseite und Alex eher bei den Viren.
Elisabeth Pfrommer: Wenn ich jetzt nochmal dein Projekt vielleicht für mich sortiere. Im Endeffekt ist es ja so, du schaust nach Antibiotikaresistenzen im Wasser und guckst auf genetischer Ebene, ob Resistenzen vorliegen. Und hast dann auch noch die Suche nach Gegenspielern, also nach Phagen, die sozusagen Bakterien auch zerstören können. Ist das schon die zentrale Frage, die du beantworten willst in deiner Promotion oder habe ich da was verpasst?
Xiaoyi Zheng: Ja, genau. Also meine zentrale Frage ist schon, wie entwickeln und verbreiten sich die Antibiotika-Resistenzen in Wassersystemen und kann man mit passenden Phagen gezielt dagegen arbeiten? Also mit Gegenspielern aus der Natur meinte ich zum Beispiel Bakteriophagen, also Viren, die bestimmte Bakterien angreifen.
Christian Nehls: Bezogen jetzt auf deine zentrale Frage, was ist denn da jetzt im Moment gerade der Stand des Wissens? Was weiß die Wissenschaft aktuell dazu und wo fängt dann sozusagen deine Arbeit an?
Xiaoyi Zheng: Man weiß heute, Resistenzen gab es in der Natur schon immer, auch bevor Menschen überhaupt Antibiotika benutzt haben. Was mich interessiert, sind die Dynamiken über die Zeit. Wie verbreiten sich Resistenzen in mikrobiellen Gemeinschaften und wie beeinflusst menschliche Aktivität diese Ausbreitung? Und ich nutze dafür die vorhandenen Datenbanken und Zeitreihe proben und analysiere sie mit Metagenome und bioinformatischen Methoden. Also ich schaue mir das genetische Material an aus ganzen mikrobiellen Gemeinschaften, um Muster und Veränderungen zu erkennen.
Elisabeth Pfrommer: Wenn jetzt deine Arbeit gelingen würde, was wäre denn so ein großer Erkenntnisgewinn, den wir da rausziehen könnten?
Xiaoyi Zheng: Wenn es gelingt, das helfen, die Bedrohung von den Resistenzen besser zu reduzieren, vor allem im medizinischen Kontext. Und gleichzeitig konnte man ja auch die Methoden in der Abwasseraufbereitung verbessern.
Christian Nehls: Kommen wir nochmal zu der Promotion allgemein. Eine Promotion ist ja meistens sehr anstrengend und dauert relativ lange, also mindestens drei Jahre, sag ich mal. Auf jeden Fall in den Bio-Wissenschaften ist das so der Zeitrahmen. Und was ist denn da jetzt deine persönliche Motivation damit anzufangen und diesen Weg zu gehen?
Xiaoyi Zheng: Für mich ist das ein bisschen wie Laufen oder Joggen. Ich sehe nicht nur Start und Ziel. Für mich zählt auch jeder Meter. Also auch die Strecke, die kleinen Fortschritte und Erfahrungen unterwegs sind Teil meines Lebens. Ich sehe es nicht nur aus Arbeit.
Elisabeth Pfrommer: Du bist jetzt ja schon zwei Monate dabei. Das ist ja im Vergleich zu den drei Jahren eher kurz. Aber ist die Promotion so, wie du sie vorher vorgestellt hast oder wie fühlt es sich denn bisher an?
Xiaoyi Zheng: Also vorher dachte ich, ich starte am liebsten sofort mit Coding, Analysen und Experimenten Aber am Anfang gab es wirklich viele administrative Schritte und auch sehr viele Meetings. Und das hat mich etwas überrascht. Aber natürlich sehe ich es nicht als Ablenkung, sondern als notwendige Grundlage, damit die eigentliche Forschung gut starten kann.
Christian Nehls: Ja, das habe ich auch schon in vielen Fällen so beobachtet, wenn man so mit einer Promotionsarbeit anfängt, bevor man mit der tatsächlichen Arbeit anfängt, sind häufig noch Dinge zu etablieren, einzurichten und alles soweit vorzubereiten. Das kann schon ganz schön lange dauern. ja, da wirst du wahrscheinlich nicht allein mit sein. Du hast ja gerade gesagt, auch dass dich so das, dass so ein bisschen überrascht hat, dass du nicht damit gerechnet hast, dass es nicht so direkt losgeht. Gibt es noch was anderes, was du jetzt nicht so erwartet hattest?
Xiaoyi Zheng: Ich glaube, überrascht hat mich auch, wie viel unsichtbare Arbeit dazugehört. Also herausfinden, wen man bei welchen Fragen anspricht oder Prozesse und Tools lernen, also Daten organisieren und generell auch noch viel Koordination. Und das kann man vorher leider schwer planen, weil man erst im Alltag merkt, was wirklich gebraucht wird.
Elisabeth Pfrommer: Gibt es denn was, was leichter war, als du dachtest?
Xiaoyi Zheng: Also glaube ich, Hilfe bekommen, weil Leute wirklich sehr herzlich sind und hilfsbereit sind.
Elisabeth Pfrommer: Gibt es auch was, dass deutlich schwieriger ist, wo du denkst, oh Gott, das hab ich wirklich völlig unterschätzt.
Xiaoyi Zheng: Vielleicht unterwegs sein. Also IGB hat auch zwei Standorte. Einmal am Müggelsee und einmal am Fürstenberg in Brandenburg. Vor Ort sein ist immer cooler, aber unterwegs sein ist ein bisschen zu viel manchmal.
Elisabeth Pfrommer: Ja, und gerade, wenn man dann zwei Institute hat, das heißt dann ein Institut hat schon zwei Standorte und dann das andere Institut musst du auch noch bespielen. Das sind natürlich dann quasi drei Orte, wo du gleichzeitig sein solltest. Das klingt wirklich schwierig.
Xiaoyi Zheng: Genau.
Christian Nehls: Dann schauen wir doch mal so bisschen konkreter in deinen Arbeitsalltag. Was machst du denn so täglich, beziehungsweise wie sieht so ein typischer Arbeitstag aus? Willst uns da mal ein Beispiel erzählen?
Xiaoyi Zheng: Also beispielsweise komme ich morgens ins Büro, checke meine E-Mails, schreibe mir eine To-Do-Liste und arbeite dann in Fokusblöcken. Und mittags esse ich oft mit Kolleginnen und Kollegen. Und ich glaube fast jeden Tag gibt es ein Meeting, ein Seminar oder irgendeinen Austausch. Das gehört einfach dazu.
Christian Nehls: Kannst du mir das mit den Fokusblöcken nochmal kurz erklären? Du hast ja gesagt, du arbeitest in Fokusblöcken.
Xiaoyi Zheng: Ja, so Minitasks, dass man sagt, jetzt habe ich diese Angrafe generiert oder optimiert, dann vielleicht danach eine kurze Pause oder andere Tasks anzufangen. So meine ich mit Blöcken.
Elisabeth Pfrommer: Das ist interessant, mir ist immer sehr schwergefallen, vorher abzuschätzen, wie lange was dauert. Ich wäre nicht gut in der Lage gewesen, so Fokusblöcke zu konzipieren, weil ich völlig unterschätzt hätte, wie lange ich jetzt zum Beispiel im Labor brauche, etwas das zu tun.
Xiaoyi Zheng: Sie sind relatable.
Elisabeth Pfrommer: Okay, also das ist auch ein Problem von dir, ja? Weil, ich war jetzt schon schwer beeindruckt.
Xiaoyi Zheng: Ja, das meinte ich nur mit Theorie. Praktisch ist es immer anders als man davor sich vorstellt.
Elisabeth Pfrommer: Woran arbeitest du denn gerade ganz konkret?
Xiaoyi Zheng: Also im Moment noch Daten verstehen, strukturieren, Qualität prüfen und die erste Analyse machen. Also erstmal das Fundament legen.
Christian Nehls: Verstehe ich das richtig, dass du bisher noch hauptsächlich am Computer arbeitest. Aber in dem Projekt wird es noch dazu kommen, dass du wirklich ins Feld gehst und Proben nimmst. Oder machen das andere Personen?
Xiaoyi Zheng: Also derzeit arbeite ich hauptsächlich mit Computer, und es ist noch unsicher, ich, ob ich später Fieldwork habe oder nicht.
Christian Nehls: Wenn ich jetzt an meine Promotion zurückdenke, ich habe, als ich angefangen bin, hatte ich so ein Thema, wo ich ziemlich Angst vor hatte, beziehungsweise wo ich schon vorher wusste, dass mich das vor eine große Herausforderungen stellen würde, und zwar englische Vorträge zu halten vor Fachpublikum. Das macht man ja ab einem bestimmten Zeitpunkt auf Konferenzen oder auch im kleinen Rahmen in Gruppenmeetings. Und das habe ich vorher ziemlich wenig gemacht und da hatte ich, da habe ich schon vorher gewusst, das wird für mich so ein Brocken sein, wo ich irgendwie durchkommen muss und noch wirklich was zu lernen habe. Hast du auch irgendwie so ein Thema, wo du jetzt schon weißt, das wird noch eine Herausforderung oder da hast du auch ein bisschen Angst vor?
Xiaoyi Zheng: Ich glaube, ziemlich ähnlich wie du hattest. Vortrag halten. Vor allem sind da vielleicht auch sehr unterschiedliche Publikum. Also zum Beispiel, ob ich einen Vortrag an ein Institut halte, also an IZW oder IGB, da sind auch unterschiedliche Experten. Ich müsste wahrscheinlich beim Vorbereiten schon mitdenken, also was die Leute schon kennen und erwarten. Und auch, also wenn ich Präsentationen während INFECTIONS-Allianz-Konferenz gebe, da sind auch noch vielleicht Kolleginnen und Kollegen aus Sozialwissenschaft oder Politikwissenschaft. Dann muss ich noch mehr aufpassen, dass das wirklich verständlich für alle gemacht werden.
Elisabeth Pfrommer: Bei einer Promotion ist ja ganz essentiell, wie man auch betreut wird. Wie ist denn bei dir die Betreuung organisiert? Weil es ist ja doch ein spezieller Fall mit zwei Doktorvätern.
Xiaoyi Zheng: Stimmt. Also, meine Betreuung ist ziemlich breit aufgestellt, würde ich behaupten. Ich habe, wie gesagt, zwei Hauptbetreuende und zusätzlich auch noch ein Mentoring-System. Das heißt, eine Person aus meiner eigenen Abteilung und eine aus einer anderen Abteilung. Außerdem gibt es auch noch PhD-Koordinatorinnen und weitere Ansprechpersonen, zum Beispiel für Gleichstellung. Das ist auch für mich sehr hilfreich, weil ich dann je nach Thema unterschiedliche Perspektiven und Unterstützung bekommen kann.
Christian Nehls: Das hört sich ja sehr positiv an und vor allen Dingen, dass du nach kurzer Zeit schon die unterschiedlichen Ansprechpersonen kennengelernt hast und weißt, wo du im Fall der Fälle auch hingehen kannst, Beratung zu bekommen. Und ist es denn so, dass du weitestgehend alleine arbeitest? Oder sind in der Nähe auch noch Kollegen, die ähnliche Arbeitsinhalte haben wie du? Also bist du irgendwie in einem Team eingebunden? Wie ist das genau?
Xiaoyi Zheng: Ich arbeite im Alltag oft allein an meinen eigenen Analysen, aber ich bin nicht wirklich allein gelassen. Also ohne Austausch mit den anderen kann ich mich auch schwer voran. Ich würde sagen, das ist eine Mischung aus eigenständiger Arbeit und Teamunterstützung.
Elisabeth Pfrommer: Ja, wir werden jetzt noch mal zum Schluss einen Blick nach vorne werfen. Wo stehst du gerade und wo möchtest du in einem Jahr sein?
Xiaoyi Zheng: Gerade stehe ich noch ganz am Anfang. Ich analysiere das aktuelle Dataset und versuche, die allerwichtigsten Fragen und nächste Schritte klar zu definieren. In einem Jahr möchte ich erste solide Ergebnisse haben und idealerweise etwas, das in Richtung Publikation geht. Und ich möchte auch als PhD-Kandidatin deutlich unabhängiger sein, also mehr meine eigenen Entscheidungen treffen können und mein Projekt selbstbewusst vertreten.
Christian Nehls: Sehr schön. Wenn du jetzt so auf das nächste Jahr oder auf die weitere Promotionszeit schaust, worauf freust du dich am meisten?
Xiaoyi Zheng: Gute Frage. Ich freue mich tatsächlich sehr auf unsere nächste INFECTIONS-Allianz-Konferenz, weil ich quasi damals mit ein paar anderen gleichzeitig angefangen hatte und möchte unbedingt auch wissen, was die anderen inzwischen gemacht haben und möchte auch gerne zeigen, was ich gemacht habe und einfach die Leute wieder zu treffen und Vorschläge bekommen, geben, etc.
Elisabeth Pfrommer: Da freue ich mich auch schon drauf, auch zu sehen, wo die anderen Promovierenden hingelaufen sind und überhaupt auch wieder alle zu sehen. Das ist immer noch nett.
Xiaoyi Zheng: Yeah.
Elisabeth Pfrommer: Vielen Dank, Xiaoyi, für diesen Einblick in den Start von deiner Promotion. Wir werden sicherlich in Zukunft nochmal die Gelegenheit haben, uns mit dir auszutauschen und zu gucken, ob dein Jahresziel erreicht worden ist und wie es dir ergangen ist, ob Frustration vielleicht noch mehr gekommen ist oder auch, dass einfach alles gut läuft.
Xiaoyi Zheng: Ja, also sehr gerne vielen Dank für Eure Einladung.
Elisabeth Pfrommer: Genau, und das war ja auch nur der erste Einblick. Wir werden dich ja auch sicherlich noch begleiten über die nächsten mindestens drei Jahre und dann noch mehr rausfinden über die Methode, die du verwendest, über erste Erkenntnisse und über aktuelle Herausforderungen.
Christian Nehls: Für den weiteren Start in der Promotion viel Erfolg. Ja, und wenn ihr Fragen an Xiaoyi habt, dann könnt ihr uns die auch schreiben und wir werden die dann möglicherweise in einer unserer nächsten Folgen mit einbauen. Wenn euch diese Episode gefallen hat, dann abonniert gerne unseren Podcast und bis zum nächsten Mal. Schön, dass ihr dabei wart.
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