Folge 17: Faktencheck: Antibiotika und Resistenzen
Shownotes
Eine kleine Schnittwunde, eine Infektion, schließlich eine Sepsis auf der Intensivstation: Was nach einem Szenario aus längst vergangenen Zeiten klingt, kann auch heute passieren. Antibiotika haben bakterielle Infektionen behandelbar gemacht. Doch ihre Wirksamkeit ist nicht selbstverständlich. Weltweit sterben jedes Jahr mehr als eine Million Menschen unmittelbar an Infektionen mit antibiotikaresistenten Bakterien. Antibiotikaresistenz gehört damit zu den großen Herausforderungen für die globale Gesundheit. In dieser Folge von „Mikroben im Visier“ nehmen Elisabeth Pfrommer vom Robert Koch-Institut und Christian Nehls vom Forschungszentrum Borstel, Leibniz Lungenzentrum sechs verbreitete Fehlannahmen unter die Lupe.
Mythos 1: Der Mensch wird resistent. „Nicht der menschliche Körper wird resistent, sondern das Bakterium.“ Bakterien vermehren sich schnell und können durch Mutationen oder den Austausch von Genen Eigenschaften entwickeln, die sie vor einem Antibiotikum schützen. Resistenzen sind Eigenschaften von Krankheitserregern und können jeden treffen. Auch wer noch nie Antibiotika genommen hat, kann sich mit einem resistenten Erreger infizieren.
Mythos 2: Bei Erkältung hilft ein Antibiotikum. Nein. Erkältungen, Grippe und COVID-19 werden durch Viren verursacht. Antibiotika wirken aber nur gegen Bakterien. Eine unnötige Einnahme kann zudem Resistenzen begünstigen.
Mythos 3: Die Packung muss immer leer werden. Heute gilt: so kurz wie möglich, so lange wie nötig. Die Einnahme sollte genau wie ärztlich verordnet erfolgen und weder eigenmächtig verlängert noch abgebrochen werden. Die Behandlungsdauer hängt von der jeweiligen Infektion ab.
Mythos 4: Die Pharmaindustrie ist untätig. Neue Antibiotika zu entwickeln ist teuer und wirtschaftlich wenig attraktiv. Denn neue Antibiotika sollten möglichst zurückhaltend eingesetzt werden, damit sich Resistenzen nicht schnell ausbreiten. Das widerspricht dem finanziellen Interesse von Pharmafirmen, die durch den Verkauf der Medikamente die Kosten für die Arzneimittelentwicklung einspielen müssen. Nötig sind neue wirtschaftliche Anreize, damit Forschung und Entwicklung finanziert werden können, ohne gleichzeitig eine unnötige Nutzung neuer Wirkstoffe zu fördern.
Mythos 5: Die Tierhaltung ist allein schuld. Antibiotikaresistenzen entstehen nicht nur in der Humanmedizin. Auch Tiere können resistente Bakterien beherbergen und weitergeben. Resistente Erreger und Resistenzgene können sich über Menschen, Tiere, Lebensmittel, Wasser und Böden verbreiten. Damit sind wir beim One-Health-Ansatz. Er betrachtet die Gesundheit von Menschen, Tieren und Umwelt als miteinander verbunden. Die Schuld nur bei der starken Nutzung von Antibiotika in der Tierhaltung zu suchen, greift zu kurz. Auch der unnötige oder falsche Einsatz von Antibiotika in der Humanmedizin trägt zur Resistenzentwicklung bei.
Mythos 6: Wenn Antibiotika versagen, sind wir hilflos. Die Antibiotikakrise ist ernst, aber es gibt auch vielversprechende Ansätze aus der Forschung. Ein Beispiel sind Bakteriophagen, kurz Phagen. Das sind Viren, die gezielt Bakterien zerstören. Ihr Einsatz ist allerdings komplex, weil Phagen hochspezifisch sind.
Was können wir tun? Antibiotika sollten nur eingesetzt werden, wenn sie medizinisch sinnvoll sind. Gute Handhygiene und Impfungen helfen, Infektionen zu verhindern und damit auch den Bedarf an Antibiotika zu senken. Fazit: Antibiotika sind keine Medikamente für jede Infektion. Sie sind eine begrenzte Ressource, deren Wirksamkeit wir gemeinsam erhalten müssen.
Weiterführende Informationen und Quellen
- Robert Koch-Institut: Grundsätze der Antibiotikatherapie und Informationen zur Antibiotikaresistenz.
- Weltgesundheitsorganisation (WHO): Informationen zu Antibiotikaresistenz
- WHO Global Action Plan 2026–2036: Im Mai 2026 wurde ein aktualisierter globaler Aktionsplan gegen Antibiotikaresistenzen verabschiedet, der einen One-Health-Ansatz und Prävention stärker in den Mittelpunkt stellt.
Transkript anzeigen
Christian Nehls: Stell dir vor, du schneidest dich beim Kochen, die Wunde entzündet sich und ein paar Wochen später liegst du mit einer Sepsis auf der Intensivstation.
Elisabeth Pfrommer: Das klingt nach einem Szenario aus dem Mittelalter. Das ist es aber leider nicht. Seit der Entdeckung des Penicillins vor knapp 100 Jahren haben bakterielle Infektionen ihren größten Schrecken verloren, weil wir sie mit Antibiotika behandeln können. Aber diese Wunderwaffe der modernen Medizin stumpft ab, und zwar schnell. Christian (0:29) Mikroben im Visier
Elisabeth Pfrommer: Ein Podcast des Forschungsverbunds Leibniz INFECTIONS. Am Mikrofon begrüßen euch: Elisabeth Pfrommer vom Robert Koch-Institut …
Christian Nehls: … und Christian Nehls vom Forschungszentrum Borstel. Willkommen zu einer neuen Folge von Mikroben im Visier. Heute schauen wir uns Missverständnisse und Fehlannahmen rund Antibiotika und Antibiotikaresistenzen an. Und zum Schluss fassen wir zusammen, was jede und jeder von uns tun kann, Resistenzen vorzubeugen.
Elisabeth Pfrommer: Denn die Zahlen sind alarmierend. Eine umfassende globale Analyse hat gezeigt, dass jährlich über 1,2 Millionen Menschen direkt an Infektionen mit resistenten Bakterien sterben. Zum Vergleich, das sind mehr Todesfälle als durch Malaria oder HIV.
Christian Nehls: Das Problem ist dabei nicht nur die Biologie, also die Krankheitserreger, sondern oft unser eigenes Wissen oder besser gesagt weit verbreitete Irrtümer. Heute wollen wir die sechs größten Fehlannahmen über Antibiotika unter die Lupe nehmen.
Elisabeth Pfrommer: Da wir heute keinen externen Gast im Studio haben, haben Christian und ich die aktuellen Studienlage durchforschtet, Fachbegriffe übersetzt und die hartnäckigsten Mythen mitgebracht. Und wir hören Statements von Forschenden aus dem Leibniz-Forschungsverbund INFECTIONS.
Christian Nehls: Mythos 1. Der Mensch wird resistent gegen Bakterien.
Elisabeth Pfrommer: Fangen wir mit einem häufigen Denkfehler an, den man im Alltag hört. Viele Leute sagen, ich nehme so selten Medikamente, mein Körper wird bestimmt nicht so schnell resistent gegen Antibiotika. Warum ist das ein gefährlicher Trugschluss?
Christian Nehls: Das ist tatsächlich ein typischer Irrtum. Nicht der menschliche Körper wird resistent, sondern das Bakterium. Bakterien sind Lebewesen, die sich extrem schnell vermehren und ihr Erbgut anpassen. Wenn sie mit einem Antibiotikum in Kontakt kommen, sterben die empfindlichen Keime ab. Aber diejenigen mit einer zufälligen Schutzmutation überleben und vermehren sich munter weiter.
Elisabeth Pfrommer: Das heißt also im Klartext, man kann persönlich extrem gesund leben und noch nie im Leben ein Antibiotikum genommen haben. Wenn man sich im Krankenhaus oder sonst irgendwo zum Beispiel beim Einkaufen mit einem resistenten Keim ansteckt, wirkt das Medikament dann trotzdem nicht?
Christian Nehls: Ganz genau. Resistenzen sind keine individuelle Eigenschaft von Menschen, sondern ein biologisches Merkmal von Krankheitserregern. Es kann also jeden von uns treffen, unabhängig davon, wie oft oder ob man vorher schon Antibiotika eingenommen hat.
Elisabeth Pfrommer: Mythos 2. Ich bin erkältet, also brauche ich ein Antibiotikum.
Christian Nehls: Kommen wir zu Mythos 2. Antibiotika bei grippalen Infekten. Wenn der Hals kratzt, die Nase läuft und das Fieber steigt, sitzen viele Patientinnen und Patienten in der Arztpraxis und erwarten ein Rezept für ein Antibiotikum, schnell wieder fit zu werden. Hilft das wirklich?
Elisabeth Pfrommer: Ja, leider in den allermeisten Fällen dann gar nicht. Denn Antibiotika wirken ausschließlich gegen Bakterien, niemals gegen Viren. Und Erkrankungen wie Grippe, Covid-19 oder auch der klassische grippale Infekt werden von Viren verursacht. Ein Virus hat aber eine völlig andere Struktur als ein Bakterium. Ein Antibiotikum kann also gar nicht nutzen. Das heißt, nicht jede Infektion braucht ein Antibiotikum und diese Entscheidung sollte immer medizinisch begründet sein.
Christian Nehls: Aber richtet es den Schaden an, wenn man das Antibiotikum sicherheitshalber trotzdem nimmt?
Elisabeth Pfrommer: Ja, davon ist leider auszugehen. Denn das Antibiotikum wirkt ja nicht nur gegen die schädlichen Bakterien, sondern auch gegen die nützlichen in unserem Körper. Und zum anderen setzen wir die Bakterien im Körper unnötigerweise dem Wirkstoff aus. Das ist wie ein Evolutionstraining für die Bakterien. Sie lernen das Medikament kennen und lernen es zu überwinden. Man züchtet sich die Resistenzen also ohne jeden Nutzen heran. Dazu hat sich auch geäußert, Professor Dr. Ulrich Schaible vom Forschungszentrum Borstel, Leibniz Lungenzentrum.
Ulrich Schaible: Das Problem ist natürlich, dass je häufiger man Antibiotika einsetzt, diese Antibiotika einen Selektionsdruck ausüben auf die Bakterien, und die Bakterien sich Resistenzen aneignen, entweder durch Mutationen oder dadurch, dass sie es schon in der Natur vorhandene Resistenzen oder Resistenzgene aufnehmen. Und das bedeutet einfach, dass man Antibiotika viel rationaler einsetzen muss. Das heißt, man darf sie nur einsetzen, also ein Antibiotikum nur für eine Bakterieninfektion.
Christian Nehls: Mythos 3. Die Packung muss immer bis zum Schluss aufgebraucht werden.
Elisabeth Pfrommer: Hier hat sich die Lehrmeinung etwas gewandelt. Früher galt das eiserne Gesetz, die Packung muss bis zur allerletzten Tablette leer gemacht werden, egal wie gut man sich fühlt. Das gilt heute nicht mehr, oder?
Christian Nehls: Auf jeden Fall nicht mehr so pauschal. Aber man darf niemals eigenmächtig abbrechen. Früher dachte man, dass zu kurzes Einnehmen von Antibiotika zwangsläufig Resistenzen fördert. Heute aber hat die Forschung gezeigt, dass jeder unnötige Einnahmetag den Selektionsdruck auf die Bakterien erhöht. Die moderne Medizin geht deshalb zu dem Grundsatz über so kurz wie möglich, so lange wie nötig.
Elisabeth Pfrommer: Und was bedeutet das jetzt konkret für mich, wenn ich Antibiotika verschrieben bekomme?
Christian Nehls: Du solltest dich auf jeden Fall an die Anordnung deiner Ärztin oder deines Arztes halten. Nicht eigenmächtig verlängern, aber auch nicht einfach absetzen, nur weil die Beschwerden nachlassen. Wenn die Ärztin sagt fünf Tage, dann nimmt man das Antibiotikum auch fünf Tage, auch wenn es einem an Tag drei schon wieder gut geht. Wer früher aufhört, riskiert, dass die stärksten Bakterien überleben und die Infektion neu aufflammt. Ob die Einnahme verkürzt werden kann, sollte allein die Ärztin oder der Arzt entscheiden.
Elisabeth Pfrommer: Der Merksatz lautet also nicht, bis der Blister leer ist, sondern so lange wie verordnet. Mythos 4. Die Pharmaindustrie ist einfach untätig.
Christian Nehls: Blicken wir mal auf die Wissenschafts- und Wirtschaftspolitik. Oft hört man ja den Vorwurf, die Konzerne wollten einfach kein Geld ausgeben, neue Wirkstoffe zu erforschen. Liegt es wirklich nur am Unwillen der Pharmaindustrie?
Elisabeth Pfrommer: Ja, da versagt leider der Markt. Die Entwicklung eines neuen Antibiotikums kostet oft über eine Milliarde Euro und dauert 10 bis 15 Jahre. Wenn ein Forschungsteam nun tatsächlich einen neuen Wirkstoff entdeckt, passiert Folgendes. Die Gesundheitsbehörden sagen sofort, perfekt, das schließen wir jetzt in einen Tresor ein und nutzen es nur im absoluten Notfall als Reserveantibiotikum.
Christian Nehls: Aus medizinischer Sicht ist das auch absolut sinnvoll, um neue Resistenzen zu vermeiden. Aber aus betriebswirtschaftlicher Sicht …
Elisabeth Pfrommer: … ist das ein finanzieller Totalschaden. Der Entwickler verkauft kaum etwas von dem neuen Mittel und kann die Forschungskosten nicht einspielen. Deshalb haben sich fast alle großen Pharmakonzerne aus der Antibiotika-Forschung zurückgezogen. Hier braucht es neue staatliche Anreizsysteme, wie etwa neue Finanzierungs- oder Forschungsprämien. Dazu hat sich auch der Wirtschaftswissenschaftler Dr. Michael Stolpe vom Kiel Institut für Weltwirtschaft geäußert.
Michael Stolpe: Wir müssen diesen ganzen Prozess der Einführung neuer Medikamente und der Finanzierung überdenken. Und wir haben bei den Antibiotika natürlich das Problem, dass wir in dem konventionellen, etablierten Modell, wie Pharmafirmen, die jetzt z.B. ein Patent erreicht haben für ein neues Medikament, wie sie dann Geld damit verdienen, das hängt natürlich in dem konventionellen System davon ab, wie viele Einheiten dieses Medikaments sie verkaufen können. Je mehr Einheiten sie verkaufen können, desto mehr finanziellen Gewinn können sie machen. Und das ist bei den Antibiotika natürlich sehr problematisch, weil dadurch ja ein finanzielles Interesse geschaffen wird, die Übernutzung zu erzeugen, weil je mehr das Antibiotikum genutzt wird, desto mehr finanziellen Gewinn können sie machen Um hier bessere finanzielle Anreize zu setzen, wäre es sinnvoll, die Pharmafirmen nicht danach zu bezahlen, wie viel Dosen sie verkaufen, sondern welchen gesundheitlichen Impact sie auf Populationsebene haben.
Christian Nehls: Mythos 5. Die Tiermast ist schuld am Resistenzproblem.
Elisabeth Pfrommer: Ein weiteres beliebtes Argument, um die Verantwortung von sich zu weisen ist: „Das liegt doch alles nur an den Unmengen von Antibiotika in der Massentierhaltung!“ Wie viel Wahrheit steckt denn darin?
Christian Nehls: Das ist ein Teil der Wahrheit, aber eben nur die Hälfte. Ja, in der Landwirtschaft wurden jahrzehntelang gigantische Mengen Antibiotika eingesetzt, teilweise sogar als reine Wachstumsförderer. Das ist in der EU zwar mittlerweile verboten, aber weltweit immer noch ein riesiges Problem. Über das Fleisch, Eier, Milchprodukte, Gülle auf den Feldern und das Grundwasser gelangen resistente Keime aus der Tierhaltung zu uns. Und an diesem Thema arbeitet auch Dr. Tina Kabelitz vom Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie in Potsdam.
Tina Kabelitz: Etwa drei Viertel aller produzierten Antibiotika werden an Tiere verabreicht. Das liegt zum einen daran, dass Tiere zum Teil höhere Dosen benötigen. Also wenn man Mensch und Rind vergleicht, dann braucht so ein Rind etwa die fünf bis sechs fache Dosis wie ein Mensch. Das liegt aber auch daran, dass in der Tierhaltung Antibiotika nicht nur zur Behandlung von Krankheiten, sondern auch als Wachstumsförderer und zur Vorbeugung von Krankheiten eingesetzt werden, was in der Humanmedizin im Vergleich zum Beispiel nicht der Fall ist. Also dort werden Antibiotika sehr viel vorsichtiger eingesetzt, und ja daraus erklärt sich der unterschiedliche Verbrauch, und deshalb stellen Tiere und insbesondere Nutztiere auch eine der Hauptquellen für Resistenzentstehung und -ausbreitung dar.
Elisabeth Pfrommer: Ja, und warum ist das nur ein Teil der Wahrheit?
Christian Nehls: Der übermäßige und falsche Einsatz in der Humanmedizin, gerade in Krankenhäusern oder durch vorschnelle Verschreibungen in der Praxis, trägt mindestens genauso stark zur Krise bei. Wir können das Problem nur lösen, wenn wir die Gesundheit von Menschen, Tieren und der Umwelt als einziges zusammenhängendes System begreifen. Forschende sprechen hier vom sogenannten One-Health-Ansatz Und diesen Ansatz wird uns Prof. Dr. Thomas Gutsmann vom Forschungszentrum Borstel, Leibniz-Lungenzentrum noch einmal erklären. Er ist aktuell Sprecher des Leibniz-Forschungsverbunds INFECTIONS.
Thomas Gutsmann: Im Leibniz-Forschungsverbund INFECTIONS untersuchen die verschiedenen Arbeitsgruppen und Institute, die daran beteiligt sind, antimikrobielle Resistenzen nicht nur in dem Sinne, das wir gucken, was passiert in Krankenhäusern, sondern vor allen Dingen auch, was passiert auf Bauernhöfen, wie werden Bakterien mit resistenten Genen übertragen von einem Bauernhof auf den Menschen zum Beispiel. Was passiert in Flüssen und Seen? Was passiert in Klärwerken, wie werden die Bakterien in Klärwerken abgetötet, dass wir da auch keine resistenten Keime mehr freisetzen? All diese Fragen werden in dem Konzept One Health oder Global Health zusammengefasst, um zu verstehen, wie das Gesamtkonstrukt funktioniert.
Elisabeth Pfrommer: Mythos 6. Wenn Antibiotika versagen, sind wir völlig hilflos.
Christian Nehls: Das klingt jetzt ziemlich düster. Lasst uns zum Schluss noch einen Blick in die Zukunft werfen. Steuern wir unaufhaltsam auf ein Zeitalter ohne funktionierende Medikamente zu oder gibt es Hoffnung aus der Forschung?
Elisabeth Pfrommer: Zum Glück gibt es sehr vielversprechende Ansätze. Wir stehen keineswegs mit leeren Händen da. Ein großes Hoffnungsthema sind zum Beispiel Bakteriophagen. Das sind spezialisierte Viren, die ausschließlich Bakterien befallen und sie von innen heraus zerstören. Sie greifen menschliche Zellen also gar nicht an.
Christian Nehls: Das klingt genial. Warum nutzen wir dann Bakteriophagen nicht schon längst flächendeckend?
Elisabeth Pfrommer: Weil Phagen hochspezifisch sind. Man muss exakt die passende Phage für das jeweilige Bakterium finden. Und auch im Forschungsverbund INFECTIONS wird dazu zum Beispiel auch geforscht. Aber es gibt noch verschiedene weitere Ansätze aus der Forschung, um die Antibiotikakrise abzumildern. Darauf werden wir aber in späteren Folgen unseres Podcast noch mal genauer eingehen.
Christian Nehls: Fassen wir also zusammen. Fakt 1. Nicht der Mensch wird resistent, sondern das Bakterium. Jeder kann von resistenten Erregern infiziert werden. Fakt 2. Antibiotika wirken nur bei Infektionen mit Bakterien und niemals gegen Viren. Bei Erkältung oder Grippe sind sie nutzlos und schädlich. Fakt 3. Einnahme präzise befolgen, nicht eigenmächtig abbrechen und niemals Reste für das nächste Mal aufheben.
Elisabeth Pfrommer: Ja, und es gibt noch mehr, was wir vorbeugend tun können. Wir können zum einen eine gute Hygiene beachten. Das heißt, regelmäßiges Händewaschen hilft, Infektionen und damit auch den Bedarf an Antibiotika zu verringern. Des Weiteren können wir Impfungen wahrnehmen. Impfungen können Infektionen verhindern, die sonst möglicherweise mit Antibiotika behandelt werden müssten. Und wir können auch Infektionen vorbeugen, indem wir auf eine gesunde Lebensweise achten. Dazu gehören auch ausreichend Schlaf, eine ausgewogene Ernährung und ein verantwortungsvoller Umgang mit kranken Kontakten.
Christian Nehls: Damit sind wir am Ende dieser Podcast-Folge.
Elisabeth Pfrommer: Vielen Dank fürs Zuhören. Wenn euch diese Folge gefallen hat, abonniert unseren Podcast und teilt ihn mit euren Freunden. Mehr Infos und Quellen zur Folge findet ihr wie immer im Infotext und auf unserer Webseite leibnizinfections.de. Tschüss und bis zur nächsten Folge von „Mikroben im Visier“.
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