Folge 10: Atemwegsviren: Aerosole, Tröpfchen und Winterwellen
Shownotes
Husten, Niesen, Sprechen und sogar normales Atmen setzen winzige Partikel frei, die Viren transportieren können. Spätestens seit der Corona-Pandemie ist klar: Nicht nur Tröpfchen, sondern auch Aerosole spielen bei der Übertragung von Atemwegsviren eine wichtige Rolle.
In dieser Folge widmen wir uns der Frage, wie Atemwegsviren wie Influenza, SARS CoV 2 oder Rhinoviren über die Luft übertragen werden – und warum das besonders im Winter relevant ist. Zu Gast ist Prof. Dr. Folke Brinkmann, Kinderlungenfachärztin aus Lübeck und Mitglied im Expertenbeirat pandemische Atemwegsinfektionen des Robert Koch-Instituts. Die Expertin erklärt, wie luftgetragene Infektionen entstehen und wovon das Risiko abhängt. „Beim Ausatmen wird jedes Mal ein kleines bisschen Sekret freigesetzt – und Viren können sich daran andocken und können somit in die Atemwege anderer Menschen gelangen“, sagt Folke Brinkmann. Während größere Tröpfchen schnell zu Boden sinken, bleiben Aerosole lange in der Luft und verteilen sich in geschlossenen Räumen.
**Tröpfchen oder Aerosole
Tröpfchen sind größer als 5 Mikrometer und transportieren oft mehr Viren, fallen aber schnell ab. Aerosole sind kleiner, leichter und können sich über Luftströmungen im Raum verteilen. Für die Erregerübertragung ist beides relevant: Tröpfchen vor allem im engen Kontakt, Aerosole besonders in schlecht gelüfteten Räumen.
Neben klassischen Atemwegsviren wie Influenza oder SARS-CoV-2 können auch- Masern, Windpocken- oder sogar Noroviren über die Luft übertragen werden. Der Vorteil für die Erreger: Luftübertragung erreicht viele Menschen schnell – oft ohne, dass sie den engen Kontakt bemerken. Entscheidend für die Übertragung ist, wie gut ein Virus Menschen infizieren kann und wie viele Erreger eine Person abgibt.
Superspreader: Person und Situation
Während der Pandemie wurde viel über Superspreader gesprochen. Gemeint sind Menschen, die unverhältnismäßig viele andere anstecken. Entscheidend ist aber meist die Kombination aus Person und Umfeld. Enge, geschlossene Räume, viele Menschen, lautes Singen oder Sprechen – all das erhöht das Risiko deutlich. Tatsache ist aber auch, dass Menschen ganz unterschiedliche Mengen an Partikeln abgeben. „Das variiert um den Faktor bis zu 1000“, so die Expertin. Es werde geschätzt, dass eine kleine Zahl Infizierter zwei Drittel bis 80 Prozent der Neuinfektionen verursacht.
Kinder: viele Infekte, aber wenig Aerosole
Kinder sind häufig krank, aber sie übertragen Viren eher über engen Kontakt und Tröpfchen, nicht über Aerosole. Das hat Folke Brinkmann in eigenen Forschungen herausgefunden. Die Studien zeigen, dass Kinder, wenn sie infiziert sind, nur selten Viren über Aerosole abgeben. Der Grund ist physikalisch: kleinere Lungen, weniger Atemvolumen, geringere Ausstoßkraft. „Je jünger die Kinder sind, desto niedriger ist die Partikelzahl in der Ausatemluft.“ Das gilt für SARS-CoV-2 genauso wie für andere Atemwegserreger.
Wetter als Motor der Virusausbreitung
Influenza tritt fast immer im Winter auf. Aktuelle Forschungsdaten zeigen: kaltes und trockenes Wetter begünstigt die Ausbreitung des Influenza-A-Virus. Viruspartikel bleiben stabiler, Schleimhäute sind anfälliger, und Menschen halten sich häufiger in Innenräumen auf. „Wir konnten zeigen, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen trocken und kaltem Wetter und der Influenza-Ausbreitung“, erklärt Elisabeth, die in ihrer Doktorarbeit Daten zu Influenza-Fällen mit Wetterdaten des Deutschen Wetterdienstes kombiniert hat. „Und in der Konsequenz bedeutet das, dass das trockene und kalte Wetter die Influenza-Welle vorantreibt. Das heißt, wir sehen ungefähr ein bis zwei Wochen, bevor die Saison anfängt, dass es trocken und kalt ist.“ Die Studie entstand im Rahmen des Forschungsverbunds Leibniz INFECTIONS unter Beteiligung des Forschungszentrums Borstel, Leibniz Lungenzentrum, des Robert Koch-Instituts, des Leibniz-Instituts für Virologie und der Freien Universität Berlin. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Aerobiologia veröffentlicht.
Schutz vor luftgetragenen Infektionen
Abstand, Hygiene und Lüften senken das Risiko deutlich. Impfungen – etwa gegen Influenza – schützen nicht vollständig vor Ansteckung, aber vor schweren Verläufen. Ein zentraler Schutz bleibt die Impfung etwa gegen Influenza, so Folke Brinkmann: „Sie verhindert nicht jede Infektion, aber verringert deutlich das Risiko für schweren Verläufe.“ Auch eine Impfung im Januar kann noch sinnvoll sein, wenn die Welle spät startet.
https://mikroben-im-visier.podigee.io
Leibniz INFECTIONS https://leibnizinfections.de/de/
Quellen:
Mao L, Lehfeld AS, Cai W, Diercke M, Schilling J: Saisonrückblick 2024/25 zu COVID-19, Influenza und RSV-Infektionen auf Grundlage der IfSG-Meldedaten. Epid Bull 2025;41:3-14 | 10.25646/13477
Aktuelle Statistik des Robert Koch-Instituts zu akuten Atemwegserkrankungen – ARE-Dashboard
Pfrommer, E., Gabriel, G., Schaible, U.E., Gutsmann, T., Schepanski, K. (2025): Transmission of Influenza is Driven by Weather Conditions in Germany. Aerobiologia. https://doi.org/10.1007/s10453-025-09875-9
Transkript anzeigen
Elisabeth Pfrommer: Herzlich willkommen zu einer neuen Folge unseres Podcasts. Heute nehmen wir uns ein Thema vor, das in der Corona-Pandemie besonders hoch kam, tatsächlich aber immer von Bedeutung ist, vor allem in der kalten Jahreszeit. Es geht Krankheitserreger, die über die Luft verbreitet und übertragen werden. Wir klären auch, was das mit dem Wetter zu tun hat und wie man sie schützen kann.
Elisabeth Pfrommer: In dieser Folge gucken wir uns insbesondere Atemwegsviren an, wie Influenza, also Grippe, SARS-CoV-2, also der Erreger von Corona oder auch Rhinoviren, die normalen Schnupfen auslösen. Es gibt natürlich auch Bakterien, die über die Atemluft verbreitet werden. Zu nennen ist hier insbesondere der Erreger der Tuberkulose, das Mycobakterium tuberculosis. Um die soll es aber heute nicht gehen. Dazu machen wir einfach noch mal eine eigene Folge.
Christian Nehls: Ja, wir alle kennen das. Jemand niest in unserer Umgebung und wir gehen ganz schnell in Deckung. Lange Zeit galt die Tröpfcheninfektion als Hauptweg für Ansteckungen von vielen Atemwegserkrankungen. Aber seit der Coronapandemie wissen wir, es gibt auch Aerosole, die Krankheitserreger übertragen können. Das sind kleinste Partikel, die besonders lange in der Luft bleiben und sich in geschlossenen Räumen verteilen. Wie ansteckend sind diese eigentlich und wovon hängt das ab? Unter anderem dazu hat unser heutiger Gast, Professorin Dr. Folke Brinkmann, geforscht. Folke ist Kinder-Lungen-Fachärztin am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein am Campus Lübeck und Professorin an der Universität zu Lübeck.
Elisabeth Pfrommer: Sie ist auch Mitglied im Expertenbeirat Pandemische Atemwegsinfektionen des Robert-Koch-Instituts und leitet am Uniklinikum Lübeck eine spezialisierte Tagesklinik für Kinder und Jugendliche mit Langzeitfolgen einer Corona-Infektion. Hallo Folke, vielen Dank, dass du heute bei uns bist.
Folke Brinkmann: Herzlichen Dank für die Einladung.
Elisabeth Pfrommer: Wenn wir sagen, ein Virus wird über die Luft übertragen, was genau bedeutet das eigentlich?
Folke Brinkmann: Viruserreger sind ja sehr klein, unter einem Mikrometer, also winzig. Bakterien zum Beispiel sind hundertmal größer. Und diese winzig kleinen Viruserreger können sich in der Luft an Partikel, also an Schwebeteilchen, binden, die aus Wasser, also zum Beispiel Spucke oder Speichel, Staub oder auch Pollen bestehen können. Beim Ausatmen wird zum Beispiel jedes Mal ein kleines bisschen Speichel-Partikel freigesetzt und die Viruserreger können sich da andocken und werden dann transportiert und können somit zu anderen Menschen und in die Atemwege anderer Menschen gelangen. Und je nachdem wie groß die Partikel sind und wie viele da eben auch weitergegeben werden, können sie unterschiedlich viele Viren transportieren und unterschiedlich weit.
Elisabeth Pfrommer: Das heißt, beim normalen Atmen setze ich auch schon potentiell infektiöse Teilchen frei? Oder muss ich dafür Husten oder Niesen?
Folke Brinkmann: Nein, auch beim Atmen werden Teilchen freigesetzt und auch das kann für eine Ansteckung schon ausreichen. Es ist aber sehr viel gefährlicher für den, der sich mit jemandem, der infiziert ist, im Raum befindet, wenn das Gegenüber singt oder schreit. Das kann man ganz gut nachvollziehen. Das ist ein Vielfaches der Infektionsgefahr. Und beim Husten oder Niesen werden natürlich auch noch mehr Partikel freigesetzt.
Christian Nehls: Was mich jetzt noch ganz speziell interessiert ist, in welchen Fällen sind das jetzt Tröpfchen und in welchen Fällen sind das Aerosole, die da freigesetzt werden? Und was ist allgemein der Unterschied zwischen Tröpfchen und Aerosolen?
Folke Brinkmann: Das Tröpfchen und das Aerosol unterscheiden sich vor allen Dingen einmal in der Größe. Die Tröpfchen werden klassischerweise als größer als 5 Mikrometer bezeichnet und die Aerosole sind dann entsprechend kleiner. Aerosole werden auch so bisschen gemischt verwendet. Entweder sagt man das mit diesen ganz kleinen Teilchen oder eben auch diese Partikel und die Luft, also dieses Gemisch. Und diese kleinen Aerosolpartikel, das kann man sich vorstellen, die fliegen einfach ganz, ganz weit und können deshalb eben auch sehr lange in der Luft bleiben und können sich in so einem Raum dann mit Luftströmungen, weil jemand aufsteht, zum Beispiel, auch sehr, sehr gut und effektiv verteilen. Während die Tröpfchen, die viel größer sind, zwar mehr Viren transportieren können, weil die einfach mehr Andockfläche haben, aber die fallen auch viel, viel schneller zu Boden.
Elisabeth Pfrommer: Kommen wir mal jetzt zu den Erregern. Welche Viren werden denn bevorzugt über die Luft übertragen?
Folke Brinkmann: Klassischerweise natürlich die Atemwegsinfektionserreger, die man aushustet oder ausniest, weil man eben in dem Bereich ja auch seine Symptome hat. Es sind aber nicht nur diese klassischen Infektionserreger wie SARS-CoV-2 oder Influenza, an die wir jetzt wahrscheinlich alle als erstes denken, sondern es können durchaus auch andere Viren über die Atemwege übertragen werden; und das sind zum Beispiel Masern oder Windpocken, die sogar sehr effektiv, aber auch so unangenehme Dinge wie nur Noroviren.
Elisabeth Pfrommer: Was zeichnet die Viren dann aus, wenn sie in der Luft übertragbar sind?
Folke Brinkmann: Dass sie natürlich relativ schnell damit viele Menschen erreichen können. Wenn man etwas hat, das zum Beispiel nur durch Schmierinfektion, also eine Weitergabe von Körpersekreten übertragen wird, dann muss man schon sehr viel näher an den infizierten Menschen herankommen. Wenn das über die Luft geht, kann man das sehr viel effektiver in einem Raum verteilen, wahrscheinlich auch ohne dass viele mitbekommen, dass sie mit einer infizierten Person überhaupt in einer gefährlichen Nähe sich befinden.
Christian Nehls: Und wenn wir jetzt schon mal über Erreger sprechen, die über die Luft übertragen werden, spielen dann immer Aerosole eine Rolle?
Folke Brinkmann: Nicht nur, sondern die Tröpfchen sind natürlich auch relevant. Gerade im engen Kontakt wahrscheinlich, wie gerade schon angeklungen ist, auch relevanter, weil einfach mehr Viren da auch weitergegeben werden können. Das ist so das Klassische, wenn die Kita-Kinder ihre Eltern anstecken, das passiert häufig durch Tröpfcheninfektionen und selten durch Aerosole.
Elisabeth Pfrommer: Damit ein Virus den Sprung von Mensch zu Mensch schafft... Was muss da gegeben sein?
Folke Brinkmann: Also erstmal müssen die Viren in der Lage sein, Menschen gut zu infizieren. Das ist ja etwas, dass sich manchmal, wenn Erreger von Tieren auf Menschen übergehen, erstmal entwickelt. Und dann braucht man natürlich eine ausreichende Erregerzahl. Und der, der infiziert ist, muss ausreichend Erreger auch weitergeben können. Das heißt, man braucht genug Erreger, man braucht eine entsprechende räumliche Nähe. Und man braucht auch jemanden, der dafür empfänglich ist, sich anstecken zu lassen.
Christian Nehls: Das heißt, es kommt sozusagen auf die Quelle an und auch auf das Ziel der Ansteckung, also auf die Person, die angesteckt wird, wie gut so eine Ansteckung funktioniert. Du hattest jetzt eben schon gesagt, dass es auch auf die Menge der Tröpfchen oder der Aerosolpartikel ankommt und wie viele Viren oder Krankheitserreger sich in diesen Partikeln befinden. Gibt es da noch andere Parameter, andere Größen, die wichtig sind bei der Frage, wann ist so eine Übertragung denn besonders effektiv.
Folke Brinkmann: Da gibt es ja aus der Pandemiezeit sehr, sehr gute Forschungseinheiten. Da gibt es auch sehr schöne Modelle, wo man, ich erinnere mich an eine Simulation in einem Raum, sehr gut nachvollziehen konnte, wie die Ansteckung steigt oder fällt, je nachdem wie die Gegebenheiten sind. Und da ging es um sowas wie erstmal die Größe des Raumes, dann aber auch die Belüftungssituation, dann was die Menschen in diesem Raum machen, ob sie dort einfach ruhig stehen oder ob sie singen, ob sie schreien, ob sie laut sprechen. Und das alles beeinflusst, wie das Virus oder wie die Viren übertragen werden können.
Christian Nehls: Du hattest jetzt eben schon angesprochen, das Singen oder Schreien. Kann man das irgendwie auch physikalisch erklären, warum da besonders viele Partikel aus dem Mund kommen?
Folke Brinkmann: Da wird ja viel Luft bewegt, wenn man schreit oder wenn man singt, dann versucht man ja weit entfernt auch den Ton zu bringen. Und damit bringt man eben auch die Partikel, auch die kleinen Partikel, die eben aus den unteren Lungenanteilen kommen, eben gut in die Luft und auch weit in die Luft. Und je älter man ist, desto mehr bekommt man das hin. Kleine Kinder können das noch nicht so, die haben noch gar nicht so viel Volumen in der Lunge, aber Erwachsene können das dann eben sehr, gut und sehr effektiv verteilen.
Elisabeth Pfrommer: Es gab ja während der Corona-Pandemie auch immer diesen Begriff Superspreader. Was kann man sich darunter vorstellen und was bedeutet das? Gibt es Menschen, die einfach sehr viel Virus freisetzen und deswegen sozusagen besonders große Menge an Menschen anstecken. Oder gibt es Menschen, die grundsätzlich sehr laut sprechen und deswegen viele angesteckt haben. Woran liegt es, dass es diese sogenannten Superspreader überhaupt gibt?
Folke Brinkmann: Ja, das ist ein großes Thema gewesen und ich habe noch mal bisschen recherchiert. Es gibt keine genaue Zahl, wie viele ein Superspreader so anstecken sollte, aber er steckt halt unverhältnismäßig oder sie unverhältnismäßig viele Menschen in der Umgebung an. Und meistens ist es aber eine Kombination aus jemanden, der wirklich effektiv auch seine Viren verteilt und einer entsprechenden Umgebung. Also klassische Beispiele waren ja so die ersten Gegebenheiten, wo das SARS-CoV-2-Virus dann in einem Spreader-Event weitergegeben wurde. Also in Heinsberg, der Karneval, kann man sich vorstellen, viele Leute, enger Raum, geschlossen, alle singen und tanzen. Ischgl, Apres-Ski, enge Kneipe, ähnliche Situation, Gottesdienst, lautes Singen, viele Leute. Also das ist das eine, das Event, also die Gelegenheit muss da sein. Und dann gibt es aber auch ganz unterschiedliche Mengen von Partikeln, die auch schon Gesunde in der Ausatemluft haben. Und das variiert um den Faktor bis zu 1000. Das ist ganz beeindruckend, wenn man das misst. Und man kann sich vorstellen, dass Menschen, eben sehr, sehr viele Partikel ausstoßen, wenn die sich infizieren, dann natürlich auch viel effektiver, damit die Viren in einem großen Umkreis verteilen können.
Christian Nehls: Das klingt jetzt für mich aber auch so, als wenn der Superspreader alleine gar nicht so relevant ist, der Mensch, sondern ist eigentlich eher relevant, dieses Ereignis war. Also ich kann mir auch vorstellen, dass bei so einem Karneval auch ohne eine Person, die besonders viele Viren ausatmet, sich viele Menschen anstecken.
Folke Brinkmann: Es geht natürlich besser, wenn da auch noch jemand dabei ist, der das effektiv verteilt. Es gibt schon die Schätzung, dass eine kleine Zahl der Erkrankten, das schwankt so um die 20 plus minus Prozent, zwei Drittel bis 80 Prozent der Neuinfektionen verursacht. Also es gibt schon einen Unterschied, wie gut man Infektionen weitergeben kann. Aber das ist eben nicht das einzige.
Elisabeth Pfrommer: Du hattest gerade gesagt, dass es auch in Abhängigkeit vom Alter ist. Dein Spezialgebiet ist ja tatsächlich eigentlich Infektionskrankheiten bei Kindern. Unterscheiden sich da Kinder von Erwachsenen maßgeblich?
Folke Brinkmann: Die unterscheiden sich tatsächlich maßgeblich von Erwachsenen. Und zwar insofern, als dass gerade je jünger die Kinder sind und je kleiner die Lungen sind, die natürlich gar nicht so ein Volumen haben, was die ausatmen können und auch als nächstes gar nicht so viel Kraft in der Ausatmung haben. Also auch wenn die husten, der Hustenstoß ist gar nicht so stark. Das heißt, damit können gerade die jüngeren Kinder, eigentlich kaum Aerosol herstellen. Die schaffen das gar nicht. Und deshalb ist es auch in der Corona-Pandemie doch irgendwann gut nachweisbar gewesen, dass die Kinder tatsächlich das SARS-CoV-2-Virus nicht in vermehrtem, sondern in verringertem Maße an die Umwelt weitergeben.
Elisabeth Pfrommer: Das fühlt sich aber ein bisschen gegensätzlich dazu an, dass Kinder ja andauernd krank sind. Man hat ja eigentlich das Gefühl, dass die eher die Infektionsquelle sind. Wie passt das zusammen?
Folke Brinkmann: Die Kinder sind ja noch auf dem Weg, alle Viren der Welt kennenzulernen und haben deshalb das Trainingsprogramm mit bis zu 10 plus Infekten pro Jahr, die sie alle durchmachen und mit denen sie auch alle erkranken. Bei Erwachsenen ist das ja viel weniger, das sind so zwei bis fünf ungefähr im Jahr. Das heißt aber nicht, dass die Kinder das dann vor allen Dingen eben nicht durch Aerosol vermehrt an andere übertragen, sondern das, was die Eltern dann manchmal mit erkranken lässt, sind eher wie gesagt so Schmier- oder Tröpfcheninfektionen, die man in einem engen Kontakt mit seinem erkrankten Kleinkind einfach auch dann im Angebot hat. Aber eben keine Superspreader.
Christian Nehls: Du hast dich ja sehr viel mit den Kindern beschäftigt und was hast du dir jetzt ganz speziell untersucht?
Folke Brinkmann: Wir haben untersucht, ob Kinder andere Partikelzahlen in der Ausatemluft haben als Erwachsene. Das sind sogenannte Aerosol-Messgeräte, die können das messen, wie viele Partikel bei der Ausatmung eben auch ausgestoßen werden. Und die Zahlen, die wir gemessen haben bei den Kindern, eigentlich bei allen Kindern, lag viel, viel niedriger als bei den Erwachsenen. Je jünger die Kinder waren, desto niedriger. Und wir haben dann aber nicht nur Partikel gemessen, sondern haben auch bei Kindern, die eben zu dem Zeitpunkt einen Atemwegsinfekt hatten, in der initialen Untersuchung SARS-CoV-2 in späteren Studien aber auch andere Atemwegserreger gemessen, ob sie a) dann eine veränderte Partikelzahl haben, wenn sie erkrankt sind und b) ob sie tatsächlich auch vermehrt Viren dann in ihrer Ausatemluft ausscheiden. Und die Partikelzahl hat wenig variiert und sehr beruhigend für alle, die da Sorge hatten in der Pandemie. Es waren nur bei ganz, ganz wenigen Kindern wirklich auch Viren in der Ausatemluft nachweisbar. Das heißt, die Kinder haben sicher ein deutlich geringeres Risiko, mit ihrer Ausatemluft Infektionen zu übertragen.
Elisabeth Pfrommer: Das heißt Schulschließungen während der Corona-Pandemie sind aus deiner Sicht mit hygienischen Maßnahmen eigentlich zu verhindern gewesen.
Folke Brinkmann: Es kommt ein bisschen auf die Altersgruppe an. Je älter die Kinder werden, je größer die Kinder werden, je mehr sich der Körperbau Erwachsenen annähert, können sie natürlich mehr Lungenvolumen mobilisieren und dann auch mehr Aerosol produzieren und mehr Erreger übertragen. Das heißt, dass es dort keine Übertragung gegeben hätte, das stimmt auch nicht. Und das konnte man auch ganz gut sehen, dass in den weiterführenden Schulen das schon auch eher mal von Schülern ausging. In den Kindergärten und in den Grundschulen gingen die Infektionsketten aber eigentlich fast immer von Lehrern oder Erziehern aus. Das heißt, waren die Schulschließungen sicher sehr großzügig bemessen und könnten mit einem entsprechenden Erreger in einer nächsten Pandemie wahrscheinlich reduziert werden.
Christian Nehls: Ja, also wir haben jetzt ja viel darüber gelernt und gehört, wie sich Viren über Aerosole und auch über Tröpfchen ausbreiten und was es so für Unterschiede gibt bei der Schnelligkeit der Ausbreitung von Viren. Aber warum gibt es jetzt eigentlich eine Influenza-Saison im Winter und nicht im Sommer zum Beispiel? Und wie breitet sich sowas weltweit aus?
Elisabeth Pfrommer: Ja, es ist tatsächlich so, dass auf der Nord- und auf Südhalbkugel gibt es eine Influenza-Saison. Die ist wirklich stark gekoppelt an den Winter. Das heißt, wir sehen in der Südhalbkugel, dass die Saison zwischen April und Oktober ist. Und hier im Norden, wozu auch Deutschland gehört, ist die Welle zwischen November und Februar. Diese Influenza-Welle kann man sich wie eine Welle vorstellen, die das Land überrollt. Wir haben eine Woche lang wenig Fälle und dann auf einmal steigt das exponentiell an und dann kommt es zu einem Höhepunkt und dann sinkt die Welle wieder und die Saison ist dann auch beendet. Was spannend ist, ist das keine Welle der anderen gleicht. Die Wellen unterscheiden sich sehr stark. Es gibt Wellen, die sind sehr schwach ausgeprägt, da infizieren relativ wenig Menschen. Es gibt aber auch Wellen, wo es unheimlich lange geht, sehr viele Fälle kommen vor. Das hängt vor allem von der Virusvariante ab. Es ist ja so, dass Influenza sich wie viele Viren fortlaufend verändern, und dann immer mal wieder Varianten aufkommen, die sich dem Immunsystem entziehen können. Die können dann wieder zu einer neuen Welle führen. Je nachdem, wie gut die infizieren, wie gut die sich ausbreiten und verschiedene Faktoren führen dazu, dass die Welle intensiver ist oder auch nicht intensiver. Was sie aber gemeinsam haben, ist, dass diese Welle immer direkt mit dem Winter zusammenhängt. Was eigentlich ganz schön ist, ist, dass wir dann immer schon vorher gucken können, wie die Welle sein wird bei uns. Wenn wir in Australien die Saison haben, dann sehen wir, dieses Jahr könnte es sein, dass es so und so ist. Dieses Jahr war es leider so, dass in Australien die Welle sehr stark war. Es fing sehr früh an mit den Influenza-Fällen. Die war sehr intensiv. Es haben sich sehr viele Leute infiziert. Wir gehen hier eigentlich auch davon aus, dass die nächste Welle auch so stark sein wird. Und dass sie uns sehr beeinflussen wird in den nächsten Monaten. Was die Wissenschaftler natürlich machen, ist, dass sie schauen, welche Virusvarianten haben sich besonders durchgesetzt. Das heißt, sie können den Impfstoff daran anpassen. Jetzt ist der Moment, es sich lohnt, sich zu impfen, um der starken Influenza-Welle vielleicht ein bisschen Dämpfer zu geben.
Christian Nehls: Wenn ich jetzt mal bei deinem Bild der Welle bleibe und dann verstehe ich schon, wie die Welle so hoch geht und sich immer mehr und mehr Leute anstecken, aber wonach entscheidet sich dann, zu welchem Zeitpunkt die Welle runtergeht? Dass dann diese Welle wieder abflacht und zu Ende geht.
Elisabeth Pfrommer: Das hängt häufig damit zusammen, ob die Bevölkerung eine gewisse Immunität aufgebaut hat. Das heißt, wenn ich jetzt selber infiziert bin und Aerosole ausscheide, dann war ja, das hat Folke gerade auch schon gesagt, es ist ja auch wichtig, ob ich ihm Gegenüber finde, was sich anstecken lässt. Wenn es so eine gewisse Grundimmunität in der Bevölkerung gibt, laufen viele Aerosole leer aus. Das heißt, sie finden niemanden, den sie infizieren können. Und das führt dann dazu, dass die Welle dann wieder sich abflacht.
Christian Nehls: Gut, vielen Dank dir, Elisabeth. Bevor wir jetzt weitermachen, kommen wir zu unserer Kategorie Mikrobe des Monats. Da geht es heute um Influenzaviren.
Elisabeth Pfrommer: Influenzaviren sind hoch ansteckende Atemwegsviren, die vor allem im Winter zu Grippewellen führen. Es gibt verschiedene Typen von Influenza-Viren. Sie werden durch Tröpfchen und Aerosole übertragen, die beim Husten, Niesen oder Sprechen in die Luft gelangen. Weltweit infizieren sich laut WHO jedes Jahr etwa eine Milliarde Menschen. In der Grippesaison 2024/25 meldete das Robert Koch-Institut fast 394.000 laborbestätigte Fälle in Deutschland, davon fast 2.000 Todesfälle. Antibiotika helfen bei Grippe nicht, da diese nur gegen Bakterien wirksam sind und nicht gegen Viren. Antivirale Medikamente, also Stoffe, die gegen Viren wirken, können den Krankheitsverlauf leicht verkürzen, werden aber nur in Ausnahmefällen Zur Vorbeugung gibt es die Grippeschutzimpfung. Sie wird insbesondere Menschen ab 60 Jahren, Schwangeren, chronisch Kranken, medizinischem Personal und Menschen mit geschwächten Immunsystem empfohlen. Da sich das Influenza-Virus ständig verändert, gibt es jedes Jahr einen neuen Impfstoff, der an den aktuell verbreiteten Erreger angepasst ist. Weltweit zirkulieren nicht nur die Grippeviren, die an den Menschen angepasst sind, sondern auch solche, die in erster Linie Vögel betreffen. Vogelgrippe tritt vor allem bei Wildvögeln auf und ist für Hausgeflügel hoch ansteckend. Die Übertragung auf den Menschen ist allerdings unwahrscheinlich.
Christian Nehls: Elisabeth, also du hast ja den Einfluss von den lokalen Wetterbedingungen auf die Ansteckung mit Grippeviren untersucht und zwar in einer Studie im Leibniz INFECTIONS-Verbund und zwar war das im Rahmen deiner Doktorarbeit, die du vor ein paar Jahren in diesem Verbund absolviert hast. Was war da genau deine Forschungsfrage?
Elisabeth Pfrommer: Genau, wir haben uns eigentlich damit beschäftigt, warum wir dieses Phänomen haben, dass die Grippe mit dem Winter zusammenfällt. Also wieso stecken wir uns eigentlich immer im Winter an und nicht irgendwie im Sommer oder warum kommt diese Welle immer zur ungefähr gleichen Zeit? Und das eine, was wir uns angeschaut haben, ist, ob es lokale Wetterbegebenheiten gibt, die das beeinflussen und zum anderen, ob es nur sozusagen wie reinen Infektionszahlen oder aber auch die Intensität, also wie schnell sozusagen die Welle dann tatsächlich ansteigt, ob das auch mit dem Wetter zusammenhängt.
Christian Nehls: Und warum genau hat sich diese Forschungsfrage ergeben? Warum wurde das untersucht und wie bist du da genau vorgegangen?
Elisabeth Pfrommer: Naja, wir haben uns acht verschiedene Saisons in Deutschland angeschaut. Das spannende daran ist, dass Deutschland relativ homogen ist. Das heißt, wir haben eigentlich auf vielen anderen Ebenen keinen Gradienten innerhalb von Deutschland, aber wir haben klimatischen Gradienten in Deutschland. Der Osten ist relativ trocken und kalt im Winter, das liegt an dem kontinentalen Wetter. Und der Westen und der Norden sind relativ feucht und warm. Diesen Gradienten vom Wetter, spiegelt sich wieder in der Häufigkeit der Influenza-Fälle. Das heißt, konnten zum einen zeigen, dass es einen direkten Zusammenhang gibt zwischen trocknem und kaltem Wetter. Das heißt, wenn es trocken und kalt ist, treten mehr Influenza-Fälle auf. Und wir konnten aber auch zeigen, dass es wirklich diesen geografischen Verlauf gibt. Das heißt, wir sehen wirklich, dass im Osten und im Süden es zu mehr Influenza-Fällen kommt als im Norden und im Westen. Und in der Konsequenz bedeutet das, dass das trockene und kalte Wetter die Influenza-Welle vorantreibt. Das heißt, wir sehen ungefähr ein bis zwei Wochen, bevor die Saison anfängt, dass es trocken und kalt ist. Wir sehen auch, dass die Intensität auch direkt damit zusammenhängt. Das heißt, wir konnten zeigen, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen trocken und kaltem Wetter und der Influenza-Ausbreitung. Was wir nicht genau wissen, ist, woran das jetzt liegt. Es gibt Laborstudien, die zeigen, dass Viruspartikel stabiler sind, wenn es trocken und kalt ist. Wie wir schon gehört haben, die meisten Infektionen finden ja wahrscheinlich eher in Innenräumen statt, gar nicht außerhalb. Das heißt, es muss andere Faktoren geben. Es kann zum Beispiel sein, dass die Nasenschleimhaut durch das trockene Wetter schon bisschen mehr angegriffen ist. Das heißt, wir sind einfach anfälliger für die Infektion. Es kann sein, dass wir mehr heizen. Das heißt, die Luft wird auch nochmal trockener im Innenraum. Genau, aber was wir im Endeffekt sagen können müssen, ist, dass es einfach multifaktoriell ist und wir es nicht genau wissen. Wir sehen nur einfach, dass dieses trockene kalte Wetter die Saison vorantreibt und auch wirklich zu mehr Fällen führt.
Christian Nehls: Okay, das bedeutet, es gibt also Typen von Wetter, wo es die Grippeviren leichter haben, uns anzustecken. Und es gibt auch Regionen, wo bestimmte Wettertypen vorkommen, die sowas begünstigen. Also Ansteckungen durch Grippeviren begünstigen. Und es gibt Regionen, wo eben so ein Wetter eher seltener vorkommt und deswegen sich auch wenig angesteckt wird. Gut, und wie habt ihr jetzt diese Daten aufgenommen? Also wie seid ihr zu dieser Erkenntnis gekommen? Seid ihr in die Haushalte gegangen oder habt ihr Daten genommen, die schon jemand anders aufgenommen hat und habt die genauer analysiert? Oder was war eure Forschungsmethode?
Elisabeth Pfrommer: Die Studie basiert auf Daten vom Deutschen Wetterdienst. Die werden minütlich herausgegeben in Deutschland an verschiedenen Stationen. Da gibt es, ich glaube, über 500 Wetterstationen in Deutschland, die das aufzeichnen. Die anderen Daten, die wir verwendet haben, die vom Robert-Koch-Institut. Da werden wöchentlich die Influenza-Fälle gemeldet. Das haben wir dann runtergerechnet auf, wie viele Fälle haben wir pro Bevölkerungsdichte. Und konnten dann, und das war auch die Schwierigkeit in der Studie, diese sehr verschiedenen zeitlichen Auflösungen von den Daten zusammenzubringen, um dann wirklich Aussagen zu machen, hängt das eine mit dem anderen zusammen. Weil das eine, wie gesagt, minütlich herausgegeben und das andere wöchentlich. Dann hat man ja auch noch, dass Influenza, man steckt sich ja an und dann ist man erst mal versteckt krank und dann erst zeigt man wieder eine Infektion. Das heißt, da gibt es eine gewisse Variation, dann müssen wir auch davon ausgehen, müssen einen gewissen Spielraum dem Ganzen geben und wir sehen Trends. Das ist sozusagen auch keine Laborstudie gewesen. Also, wir haben jetzt nicht bei trocknem und kaltem Wetter, wobei es gibt solche Studien. Also, es gibt Studien, wo man zum Beispiel infizierte Meerschweinchen hat auf der einen Seite hat und dann verschiedene Temperaturen und Luftfeuchtigkeit einstellt und dann schaut, wie oft kommt es dann zu einer Übertragung. Und auch das geht in die gleiche Richtung. Also, trocken und kalt ist gut für die Luftübertragung. Das war aber in dem Fall, haben wir das nicht gemacht, sondern wir haben wirklich eher auf einer Metaebene geschaut und versucht, verschiedene Datensätze zusammenzubringen und daraus Schlüsse zu ziehen.
Christian Nehls: Vielen Dank, Elisabeth, dass du uns mit deinem Forschungsprojekt so abgeholt hast.
Elisabeth Pfrommer: Sehr gerne. Was man jetzt ja meinen könnte, ist, dass es aufgrund meiner Forschung absolut ausreicht, warm und feucht sich zu halten. Aber es gibt ja bestimmt noch andere Möglichkeiten, sich von einer Infektion zu schützen. Kannst du das vielleicht bisschen beleuchten, Folke?
Folke Brinkmann: Wir haben ja alle in der Pandemie gelernt, dass die sogenannten AHA-Regeln sehr gut funktionieren. Wenn man Abstand hält, wenn man Hygienemaßnahmen einhält, dann kann man sich sehr gut schützen. Das ist natürlich nicht in jedem geschlossenen Raum jederzeit umsetzbar. Eine andere Möglichkeit, sein Risiko einer Infektion zu verringern und vor allen Dingen das Risiko auch schwer zu erkranken, zu verringern, sind natürlich die Schutzimpfungen, die wir zumindest für Influenza ja auch jährlich zur Verfügung haben.
Christian Nehls: Das heißt, wenn ich immunisiert bin, also geimpft bin, dann komme ich als Empfänger für so eine Tröpfchen- oder Aerosol-Weitergabe einer Infektion gar nicht in Frage. Richtig?
Folke Brinkmann: Leider nicht gar nicht. So gut wirken die Impfungen nicht. Aber sie verringern das Risiko, dass man sich ansteckt. Und auch das ist ja schon sehr hilfreich. Und sie schützen vor schwereren Verläufen der Infektionen, was natürlich für die wichtig ist, die da besonders gefährdet sind. Also Ältere, Vorerkrankte, Schwangere, auch als ganz wichtige Gruppe, die sollten sich ganz sicher impfen lassen.
Elisabeth Pfrommer: Und bringt das jetzt auch noch was, wenn ich mich jetzt im Januar oder Februar impfen lasse? Oder ist es dann eigentlich schon zu spät oder ich hab's auch schon geschafft, wenn die Saison schon vorbei war.
Folke Brinkmann: Es kommt so bisschen darauf an, wann die Saison anfängt und wie sie so läuft von der Dynamik. Man braucht nach einer Impfung ungefähr 10 bis 14 Tage, bis der Organismus eine entsprechende Immunität entwickelt hat. Und wenn die Influenz-Saison erst Ende Dezember beginnt und man sich Anfang Januar impfen lässt, ist das, glaube ich, jetzt nicht umsonst, sondern ein gut investierter Piks.
Christian Nehls: Wir haben jetzt über Influenza gelernt, dass die Influenzawelle oder Influenza-Saison eigentlich nur im Winterhalbjahr stattfindet, aber wie ist das mit anderen Atemwegserkrankungen oder Krankheitserregern, die über die Atemwege oder über die Luft übertragen werden. Gibt es da ähnliche Zusammenhänge? Weil im Sommer kann ich ja theoretisch auch ein Schnupfen bekommen.
Folke Brinkmann: Die meisten Atemwegserreger unterliegen schon einer saisonalen Häufung. Viele von denen werden häufiger im Winter übertragen. Es gibt durchaus auch Atemwegsinfektionen, die das ganze Jahr über in wechselnder Intensität zu finden sind. Das hängt davon ab, wie die Übertragung stattfindet. Manche Viren sind auch eher mit anderen Virus-Erregern vergesellschaftet. Also da ist man manchmal, wenn man tatsächlich einen Test macht, mit mehreren Viren infiziert, ist aber damit gar nicht unbedingt kränker. Da gibt es ganz viele Faktoren, die da eine Rolle spielen können. Die Innenräume, die man im Winter eben mehr nutzt, die Heizungsluft, das sind Faktoren, die das Auftreten im Winter bei einigen Erregern begünstigen.
Elisabeth Pfrommer: Vielen Dank, Folke, dass du da warst. Was ich besonders spannend fand, war, dass Kinder gar nicht so die Aerosolüberträger sind. Dass sie gar nicht so viel Virus über Aerosole ausscheiden können. Weil aus meiner eigenen Wahrnehmung dachte ich immer, Kinder sind die wahren Keimschleudern. Sind sie ja auch von der Schmierinfektion, aber zumindest über Aerosole kann man sich ihnen nähern.
Christian Nehls: Ja und ich fand es auch spannend, einmal den Unterschied, genauen Unterschied zwischen Aerosolen und Tröpfchen zu verstehen und auch nochmal drüber nachzudenken und zu lernen, welche unterschiedlichen Faktoren denn darauf einen Einfluss haben, wie effektiv die Ansteckung zwischen Menschen eigentlich stattfindet.
Elisabeth Pfrommer: Vielen Dank auch euch fürs Zuhören. Wenn euch diese Folge gefallen hat, abonniert unseren Podcast und teilt ihn mit euren Freunden und bleibt neugierig. Mehr Infos und Quellen zur Folge findet ihr wie immer im Infotext und auf unserer Webseite leibnizinfections.de. Bleibt gesund!
Neuer Kommentar